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Trefflich vereint - KUNST UND AUKTIONEN - 13. Januar 2012 (pdf Seite 1 / pdf Seite 2)

Trefflich vereint - Kayserzinn und Glas von Jean Beck – einige ergänzende Anmerkungen
Köln führt auf die Spur. Die große Ausstellung zu Kayserzinn im vergangenen
Jahr informierte und gab Anregungen. Und sie führte zu
verschollenen Zeugnissen der engen und fruchtbaren Zusammenarbeit
von J. P. Kayser, Krefeld, und dem Münchner Designer Jean
Beck. Allerdings konnte die Schau nicht alle Zusammenhänge vorstellen –
durch den Anstoß bekommt die Forschung jedoch neues Material (s. Gerhard
Dietrich und Eckhard Wagner [Hrsg.], Kayserzinn. Engelbert Kayser. Jugendstilzinn
aus Köln, Stuttgart, Arnoldsche, 2011, Rez. in KUNST UND AUKTIONEN
2011/18, S. 62).
Die Kooperation von Manufaktur und Entwerfer ist in der Abschrift eines
Briefs des Prokuristen Börger von Kayser im Bayerischen Hauptstaatsarchiv
schriftlich belegt. Aus ihm geht hervor, dass Beck seit 1902 Einsatzgläser für
Kaysers Zinnprodukte lieferte: „Die von Herrn Beck geschaffenen feinen Gläserserien,
die teils nach seinen eigenen, teils nach meinen Angaben und Entwürfen
hergestellt wurden, fanden stets allseitigen Beifall…“ (BayHSt.A.
Mwi, II6994). Das Musterbuch dazu stammt aus dem Jahr 1907 und ist registriert
im Kaiserlichen Patentamt. Unter der Abteilung „Versilberte Tafelgeräte“
finden sich Abbildungen von kombinierten Metall- und Glasobjekten von
Jean Beck mit den für den Entwerfer charakteristischen Dekordetails „Platten“
und „Welle“. Ausgeführte Objekte sind rar; etliche dürften heute unerkannt
in privaten Sammlungen, Museen und Depots schlummern. Nur wenige
zeitgenössische Veröffentlichungen sind bekannt. Für die Einsätze wählten
Kayser und Beck eine ganz besondere, unverwechselbare Handschrift, nämlich
Kristallglas mit farbigen „Platten“ – in den Glaskörper verschmolzene,
leicht erhabene, zumeist grüne große Punkte, darüber eine dreifach geschliffene
Girlande, die „Welle“. Ihre Gestaltung wurde in vielen Variationen während
der gesamten Produktionsphase beibehalten, die nach etwa 15-jähriger
kongenialer Zusammenarbeit mit dem 1. Weltkrieg endete. Mit dieser Produktpalette
löste Kayser sich von überkommenen Formen des Historismus
und wandte sich entschieden dem Jugendstil mit seinen Pflanzen- und Blumendekoren
zu. Der Kontrast zu Jean Beck, der schon Anfang des Jahrhunderts
seiner Zeit weit voraus war und im sachlichen Stil des Art-Déco entwarf,
konnte nicht größer und spannender sein. Die Glaseinsätze wurden, der Zeit
entsprechend und genauso wie seine Keramikentwürfe für Villeroy & Boch,
Mettlach, nicht signiert. Der firmenunabhängige Designer Beck lieferte die
Entwürfe (in diesem Fall auch die Gläser), nur der federführende Produzent
stempelte mit seinem Namen. Glasarbeiten Becks, die vor dieser Zeit entstanden
sein könnten, sind nicht zu belegen. Wahrscheinlich hat diese Zusammenarbeit
für ihn den künstlerischen Durchbruch herbeigeführt. Doch
wer lieferte das Glas in der geforderten hohen Qualität? Beck war nur Ideengeber,
nie Hersteller. In der „Preisliste B über Gebrauchsartikel“ der Bayerischen
Krystall-Glas-Fabriken, vorm. Steigerwald in Ludwigsthal findet sich
ein Nachweis (S. 17) – eine „Geleedose cristall grüne Platten und Wellenschliff,
ohne Goldrand 0,80, mit Goldrand 1,- (Mark)“.
Bekannt ist die frühe enge Kooperation Becks mit der Regenhütte und ihrem
Ableger in Schliersee. Bis 1907 arbeitete der Betrieb erfolgreich, dann
begann es zu kriseln. „Im ersten Krisenhöhepunkt ließ sich der Münchner
,Kunstkeramiker‘ Jean Beck von dem Hauptgläubiger der Steigerwaldhütte,
der Pfälzer Bank, bewegen, sich an der Regenhütte zu beteiligen. Wenn man
ihm glauben darf, war er um 1914 Hauptabnehmer der Regenhütte“ (Christiane
Sellner, Gläserner Jugendstil aus Bayern, 1992, Grafenau). Aufzeichnungen
von Entwürfen Becks für die von Isidor Gistl gepachtete Glashütte Poschinger in Frauenau sind erst ab 1916 belegt (das Hüttenbuch für eine
frühere Zeitspanne ist wohl verloren), so dass für die Zeit davor bis zu einer
Klärung angenommen werden darf, dass die Regenhütte Hauptlieferant für
Gläser nach Entwürfen Becks und damit für die Glasprodukte mit „Platten“
und „Welle“ war. Weil in Regenhütte und Schliersee nach dem selben System
gearbeitet wurde, spräche lediglich die für Beck bessere Erreichbarkeit von
Schliersee dafür, dass ein Großteil seiner Entwürfe dort ausgeführt wurde. Es
ist jedoch nicht völlig auszuschließen, dass Gistl 1906 bei seinem Ausscheiden
als Verwalter der Regenhütte Entwürfe Becks mit nach Frauenau nahm.
Belege hierzu fehlen.

Weitere Glaseinsätze für J. P. Kayser haben auf dem Boden einen Sternschliff,
Hüttenmerkmal für die Regenhütte, können Beck aber nicht zweifelsfrei
zugeschrieben werden. Sein einst entwickelter Entwurf verselbständigte
sich, es gibt unterschiedliche Trinkgläser, Schnapsstamperl mit dem Wellendekor
ohne Bezug zu Kayser. Unmittelbar nach Einführung der neuen Produkte
aus Krefeld erschienen Würdigungen in den Kunstzeitschriften. Erste
Belege anhand zeitgenössischer Photographien finden sich bei einer „Kompottschüssel“
mit zwei Henkeln aus Rotguss und einem „Weinkrug“, beide
in einem Musterbuch vom „Kunsthaus Hohenzollern“, Berlin, mit der Bildunterschrift:
„Arbeiten aus Glas mit Zinnfassung“ abgebildet. Das Kunsthaus
Hohenzollern, Ecke Leipziger- und Wilhelmstraße, war um die Jahrhundertwende
ein führender Anbieter qualitätvoller Objekte (Deutsche Kunst
und Dekoration, 1904/05, Bd. XV, S. 183). Im Musterbuch 1907 von J. P. Kayser,
finden sich Schüssel und Krug samt Abbildung unter Nummer 4600
(Ø 20 cm) und 3866 (1 l).
Zur Klärung der Zusammenarbeit von Beck und Kayser ist Schlussfolgerung
oft das Mittel der Wahl. Nach freundlicher Auskunft von Gerhard Dietrich,
Museum für angewandte Kunst, Köln „…gibt es über die Firma J. P. Kayser
Sohn in Krefeld überhaupt keine Firmennachrichten oder -dokumente (außer
den beiden Musterbüchern 1897 und 1907). Es gibt keine Ansichten der Firmengebäude,
keine Wirtschaftsunterlagen, keine Geschäftsbücher, nichts…“.
Mit den Abbildungen ausgeführter und am Markt angebotener Stücke ist
auch der Zusammenhang von Beginn und Verlauf der Tätigkeit Becks für Kayser
im Jahr 1902 darstellbar: Beck und Kayser arbeiteten trotz erheblicher
räumlicher Distanz mindestens 14 Jahre eng zusammen; der Münchner entwarf
die Glaseinsätze und sorgte für Produkte in der gewünschten Qualität.
Löst sich Kayser zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinen Entwürfen erst in
langsamen Schritten vom Historismus hin zum floralen Jugendstil mit dem
„Kayserzinn“ und dem berühmten „Daumendruck“ – sehr elegant und in individueller
Handschrift in silbergrauem Metall gestaltet – , so liefert Beck
unbekümmert und unbeeinflussbar ein Glas, das den Zinngefäßen einen gestalterischen
Kontrapunkt verleiht, in gelassener Strenge und in buchstäblich
punktueller Farbigkeit. Mit dem unverwechselbaren Dekor von „Platten“ und
„Welle“, entwickelt und umgesetzt erstmals im Jahr 1902, gibt es bei Jean
Beck nicht den geringsten Hauch von Historismus oder floralem Jugendstil.
Aus diesem Gegensatz, zusammengeführt in ein und demselben Objekt, ergibt
sich eine gelungene Spannung zwischen den Stilen: zwei zeitgemäße künstlerische
und ästhetische Wege werden vereint.
Auch nachdem Kayser bald nach dem Krieg nicht mehr besteht, entwirft
Jean Beck noch lange Zeit seine leuchtenden Glasobjekte, signiert sie aber
überwiegend mit seinen Ätzstempeln.
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Made in Germany
Auf einer roten Schale, zu deren Form es analoge, von Jean Beck signierte weitere Schalen gibt, finden sich zwei einzige Signaturen: ganz schwach JEAN BECK ohne jede Umrandung und „Germany“ in einem langgezogenen Achteck, das von Beck in kürzerer Form für die meisten seiner Signaturen verwendet wurde.
Dieses Glas ist neben dem Signaturstempel „Jean Beck Munich“ ein ausschließlich für den Export verwendetes Kennzeichen. Hintergrund ist eine Festlegung englischer Politik aus dem Jahr 1887, dass auf Gütern klar Hersteller und das Herkunftsland anzugeben ist. Dies diente dem Schutz der britischen Wirtschaft vor importierten Waren, die als von schlechter Qualität angesehen wurden.
Merchandise Marks Act, 1887
Erst später wurde aus dem zunächst diskriminierenden „Made in Germany“ ein Zeichen besonderer Qualität.
Diese Schale ist das bisher einzig bekannte Exemplar, das belegt, dass Beck auch für den britischen Markt gearbeitet hat.



Signaturstempel ohne Malerschilde
Selten sind achteckige Signaturstempel Becks mit dem Text „Jean Beck München“, bei dem die üblichen drei Malerschilde fehlen. Eine Begründung ist derzeit nicht zu finden, allerdings scheinen diese Signaturen erst ab 1926 verwendet worden zu sein, und zwar durchaus zeitgleich mit anderen Signaturen, wobei sich zum Ende der Schaffensperiode des vierundsechzigjährigen Beck auch der einfache kleine und große Achteckstempel mit „Jean Beck“ häuft.
Wie hilfreich bei der Datierung diese Erkenntnis ist, bleibt derzeit im Ungewissen.

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Hans im Trend - KUNST UND AUKTIONEN - Freitag, 26. August 2011 (pdf Seite 1 / pdf Seite 2 )
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| Kunst
eines Unsichtbaren - Saarbrücker Zeitung - Freitag, 17. Juni
2011 (pdf) |
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Neugefundene Fakten - vertiefte Biografie
Über Jean Beck gab es lange Zeit mehr Vermutungen als Fakten.
Häufig gibt es zu seiner Biografie nur eigene Aussagen -
diese wurden dann von Neidern auch noch angezweifelt.
Langsam ändert sich dieser Zustand: ersetzt durch Dynamik
des Suchens und Findens.
Bisher war klar: mit 14 Jahren begann Johann Beck 1876 eine Lehre
in der Dekorationsabteilung von Villeroy & Boch in Mettlach
und erwarb sich die Grundlagen. Das Skizzenbuch von 1879 und ein
erster ausgeführter und signierter Entwurf eines Übertopfes
( 5.9.1879) sind Belege.
Dann gab es nur Becks Aussage des Besuchs der Königlichen
Kunstgewerbeschule in München. Dies ist nun belegbar.
Vom 10. Mai 1881 datiert gibt es eine durch die K.(önigliche)
Direktion erstellte Liste von Dozenten, Schülern und den
Studienplan der Fachschule für Keramik an der Kgl. Kunstgewerbeschule
München. Zu Ostern 1881 wurde diese Fachschule eröffnet,
jetzt wird erstmals berichtet.
Die Schule bietet Lerninhalte an für Gefäßmaler
und Modelleure, u.a. Freihandzeichnen, Technisches und Architekturzeichnen,
Malen, Vorträge. Die Vorlesungen sind mit 44 Wochenstunden
hoch angesetzt.
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Hier findet sich neben Beck der Modelleur Hein von V&B - ein
Zeichen, welch großen Wert die Firma auf die Weiterbildung
ihrer Leute legte.
Aus Schlierbach/ Wächtersbach kam auf Empfehlung des dortigen
Direktors Rösler der Maler Johannes Dautrich. Es darf vermutet
werden, dass Becks spätere Zusammenarbeit mit Wächtersbach
hier ihren Anfang fand, denn im Fürstlich Ysenburgischen
Archiv steht zu Beck:
17.6.1891, Direktor Dr. Richard König an Rentkammer:
Der Maler J. Beck den ich als Nachfolger von J. Dautrich
im Auge hatte - hat geschrieben. Derselbe kommt im August besuchsweise
zu mir. In feste Stellung will er vorläufig (unterstrichen)
nicht, da er in Paris, Sèvres, Limoges durchstudieren(?)
und später England durchwandern will. Dann ist er nicht abgeneigt.
Der ist noch viel tüchtiger, genialer wie der seelige D.
(Daudrich?). Wenn wir den bekommen könnten, ich hoffe es!
Einstweilen will er für uns arbeiten
Die Aussage über Tüchtigkeit, Genialität lässt
den Schluss zu, dass Beck viel früher schon für Wächtersbach
gearbeitet haben muss, dass zumindest Arbeiten von ihm bekannt
sein mußten - Fakten dazu gibt es derzeit nicht. Dies ist
auch deshalb von Bedeutung, als es zu dieser Zeit kaum üblich
war, Arbeiten von Entwerfern als deren Werk zu kennzeichnen. Die
ausgeführten Werke blieben i.a.anonym.
Nach weitern Studien in Berlin, Dresden und Düsseldorf arbeitet
Beck
in leitender Stellung als Dekorationschef, Mal-
und Zeichenlehrer bei V&B (Lebenslauf) und liefert Entwürfe
für die verschiedenen Fabriken; ab 1890 arbeitet er auch
für Wächtersbach.
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RECHERCHE, RECHERCHE
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Ein Hauptproblem der Zuschreibung ausgeführter Objekte ist
i.a. das Nichtvorhandensein von Entwurfsunterlagen. Meist sind sie
zerstört worden.
Bei Beck gibt es fast nur sekundäre Quellen.
Für die hier gezeigten Gläser kann die Zuschreibung über
eine Publikation von 1916/17 und Zeichnungen im Hüttenbuch
Poschinger 1918 erfolgen.
In Velhagen & Klasings Monatsheften werden im 31. Jg.
1916/17 auf einer Seite sechs "Gläser aus der kunstgewerblichen
Werkstätte von Jean Beck in München" gezeigt, darunter
zwei Vasen mit Verzierungen in Eichblattmotiv. Im Hüttenbuch
Poschinger sind zwischen 15.1.1918 und 1.3.1918 u.a. diese beiden
Vasenformen mit klaren Anweisungen zur Produktion gezeichnet. Zudem
gibt es den Auftrag, die Produkte durch direkte Lieferung von der
Hütte an Scholze (Franz Scholze München, Becks Maler)
zu senden, wo sie in Schwarzlot bemalt werden sollen. Die ausgeführten
Gläser erhielten einen Signaturstempel.
Beachtenswert ist der Zeitpunkt: in den Kriegsjahren 1917/18 ist
nach allen Dokumenten die Herstellung nicht kriegsnotwendiger Waren
eingestellt oder stark eingeschränkt worden. Beck selbst berichtet
in einem Schreiben (Sammlung Lhotzky) darüber, auch davon,
dass kaum Material zu bekommen ist und die Glasmacher zum Kriegsdiest
eingezogen sind.
Siehe dazu auch DOKUMENTE mit Detailaufnahmen der
Bemalung.
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Legenden
Beck fordert Vermutungen heraus - die Datenlage ist zu oft unklar.
- Theresienthal hat für Beck gearbeitet.
Diese Behauptung fusst auf auf einer Personenverwechslung
zwischen Beck und Mauder und ist längst ausgeräumt.
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Galvanisierte Gläser ohne Becks Signatur
können diesem aufgrund aufgemalter Ziffern auf dem Boden
zugeschrieben werden.
Dafür gibt es keinen Beweis: in galvanischen Betrieben
wurden häufig fortlaufende Produktionsziffern von Hand
auf unterschiedliche Produkte aufgetragen - und: wo ist die
Logik, ein von Beck bereits signiertes Glas ihm über diese
Ziffern doppelt zuzuordnen? Es existiert von Beck signiertes
Glas mit aufgemalten Produktionsnummern der Galvanisateure -
das ist die Logik.
Leider häufen sich diese unbewiesenen Behauptungen in jüngster
Zeit in Auktionen und Ausstellungen.

Zwei gleichartige galvanisierte Vasen tragen in fortlaufender
Nummer neben Becks Stempel die Ziffern 399 und 400, woran erkennbar
ist, dass diese Nummern mit dem Entwerfer Beck nichts zu tun
haben, sondern in der Fabrik als Produktionsnummern aufgetragen
wurden und somit ein immer wiederkehrender Rückschluss
aus gemalten Ziffern auf Beck falsch ist.
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Haertel war künstlerisch seiner Zeit
voraus. Seine Entwürfe von 1917 haben große Ähnlichkeit
mit denen von Prof. Jean Beck aus dem Jahr 1925. Nach Prof.
Günter Grundmann gab es einen qualitativen Unterschied
zwischen dem hochwertigen Bleikristall aus der Josephinenhütte
und Gläsern aus bömischen Hütten. Deshalb haben
Künstler wie Jean Beck und Prof Eiff sowie die Kunstgewerbeschule
in Stuttgart und die Glasfachschule in Zwiesel das Rohglas für
bestimmte Objekte aus Schreiberhau bezogen. Das* lässt*
sich nachweisen anhand der Zeichnungen aus der Josephinenhütte,
die mit Kundennamen versehen sind.
(* rechtschriftlich an die Regeln angepasst)
Dieser Text wurde entnommen dem Buch: JOSEPHINENHÜTTE von
Stefania Zelasko, Glasmuseum Passau, 2009
Etwas viel Böhmische Dörfer.
1. Beck ist bereits seit Anfang des Jahrhunderts als Glasentwerfer
tätig - der unbelegte Vergleich mit Haertel müßte
viel früher ansetzen, um zu solchem Schluss zu kommen -
und könnte zu einem Umkehrschluss werden. Zudem sind von
Beck Entwürfe aus dem Jahr 1925 und später nur in
wenigen nicht ausgeführten Entwurfsblättern der Regenhütte
bekannt, das letzte belegbare Blatt mit in Wadgassen hergestellten
Gläsern stammt von 1920 und greift deutlich auf frühere
Entwürfe Becks zurück, wie auch Produkte der Hütten
Gistl/Poschinger wesentlich frühere Ausführungen immer
wieder aufnehmen.
2. Beck bezog kein Rohglas aus Schreiberhau. Er war nur Entwerfer,
nicht Veredler, und deshalb müssten Rohglasbezieher die
Hütten Gistl, Poschinger und Regenhütte gewesen sein:
ein sehr unwahrscheinlicher Vorgang. Nicht ausgeschlossen soll
werden, dass Beck ein Einzelstück aus Schreiberhau zum
Vergleich erworben hat, was ganz normal gewesen wäre und
durchaus gebräuchlich war.
Leider auch hier das Übliche: es wird beide Male behauptet
und nichts belegt. Dies ist wissenschaftlich katastrophal ohne
die Veröffentlichung der erwähnten Zeichnungen.
Die Autorin möge doch Belege vorweisen: Entwürfe,
zeitgenössische Abbildungen, ausgeführte Gläser
mit Datierungsnachweis (keine Vermutungen!). Man darf gespannt
sein.
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Der „geschäftstüchtige“ Jean Beck.
Man kann es fast nicht mehr ertragen: immer wieder wird diese Wendung
abwertend irgendwo abgeschrieben. Und nichts wird hinterfragt.
Beck musste arbeiten und verkaufen. Wie sollte er leben?
Er kam aus einfachen Verhältnissen in Mettlach; zu erben gab
es bei den vielen Geschwistern auch nichts. Mit siebzehn Jahren
verließ er erstmals den Ort, um zu lernen und zu arbeiten.
Als er später sich in München selbständig machte,
war er auf sich alleine gestellt. Anders als in Wien oder in Darmstadt,
wo die „Moderne“ öffentliche Resonanz und, vor
allem in Darmstadt, Unterstützung durch den „Hof“
fand und sich in Wien mit dem Glasverleger Bakalowits ein einflussreicher
Auftraggeber fand, musste Beck so „geschäftstüchtig“
sein, auf Messen zu gehen und seine Waren anzubieten. Riemerschmid
entwickelte daraus eine wahre Phobie - und heutige Schreiber pinseln
ab, ohne zu hinterfragen.
Eine Frage könnte sein, wie Beck es schaffen sollte, sein Wohnhaus
und das Rückgebäude mit ebenerdigem Atelier in Münchens
Schwindstraße zu finanzieren, das ihn bei nur 12,5% Eigenkapital
mit gewaltigen Hypotheken drückte. Ein bisschen Lebenswirklichkeit
möchte schon sein.
So bleibt es beim abwertenden „geschäftstüchtig“.
Nur schade, dass ein von Bayern mit öffentlichen Mitteln gefördertes
Museum diese Wendung gebraucht, wenn es ein klein wenig zu recherchieren
versucht…Dem Menschen Beck gerecht wird man so nicht.
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Ein derzeit noch reichlich
undurchsichtiges Kapitel Beck´scher Entwurfstätigkeit
ist die große Keramikfabrik Waechtersbach mit damals Hunderten
von Beschäftigten. Beck wurde dorthin 1891 - 93 aus München
geholt, um als Entwerfer und Zeichenlehrer tätig zu sein -
sein Einfluß muß groß gewesen sein, die Dokumente
fehlen weitgehend.
Es wird geforscht, erste Originale fanden sich.
Im SAMMLERJOURNAL findet sich demnächst ein erster Beitrag
zu Beck und Waechtersbach.
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